Spotlight Serbien: IKT-Erfolge treffen auf verhaltene Unternehmen

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Auf globaler Ebene kann man Serbien leicht unterschätzen, doch der erste Eindruck täuscht. In den letzten Jahren hat das Land seine digitale Transformation beschleunigt, öffentliche Services digital vorangetrieben und einen erfolgreichen IKT-Markt für Software und qualifizierte Arbeitskräfte geschaffen.

Inhalt: 

  1. Die Stärken: Digitale Bildung, öffentliche Dienstleistungen und Innovation
  2. Die Schwachstellen: Geringe digitale Akzeptanz
  3. Die nächsten Schritte: Die lokale Wirtschaft muss stark wachsen

Die Stärken: Digitale Bildung, öffentliche Dienstleistungen und Innovation

Dieses Jahr (2022) nutzen 84 % aller Serben das Internet, mit einem Anstieg von 4,5% seit 2021. Laut der amerikanischen International Trade Administration (ITA) liegt die Nutzung von Internetdiensten in Serbien "weit über dem EU-Durchschnitt."

Serbiens Bildung wird digital

Nenad Paunovic, Mitbegründer des Belgrade Venture Forums, erklärt in seiner Zusammenfassung des digitalen Status quo Serbiens auf der Smart Country Convention, dass Programmierung in serbischen Schulen von der 5. bis zur 8. Klasse zum Pflichtfach geworden ist. Darüber hinaus unterstützt und investiert das Land in die IKT-Ausbildung. Serbische IKT-Experten seien bei internationalen Unternehmen sehr begehrt.

 

Laut dem Digital Futures Index von Microsoft gibt es in Serbien 40% mehr weibliche IKT-Fachkräfte als in anderen CEE-Ländern, was angesichts des weltweiten Mangels an IKT-Personal vielversprechend ist.

Das serbische Schulsystem ist während der Pandemie stark digitalisiert worden. Die Schulen bieten digitale Lernmaterialien und andere Ressourcen an, um einen raschen Wechsel von der Schulbank zum Fernunterricht zu ermöglichen.

Öffentliche Dienste sind digital und innovativ

Mehr noch: Während der Pandemie wurden die öffentlichen Dienste in einer Weise digitalisiert, die weltweit als Best Practice gilt. Serbien hat die Daten seiner Bürger digitalisiert, um Online-Dienste anzubieten. Die Covid-Strategie basierte auf einem Immunisierungsmanagementsystem, das sich weltweit durch eine effektive Impfung und Berichterstattung auszeichnete. Die serbischen Bürger können sogar Neugeborene ohne online registrieren und ersparen sich dadurch diverse Behördengänge.

All dies hat zu einer starken Verringerung des Papierabfalls geführt und unterstützt somit die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes.

Der IKT-Sektor wächst und ist innovativ

10% des serbischen BIP werden im IKT-Sektor erwirtschaftet, was ihn zu einem der vier wichtigsten Sektoren des Landes macht (neben Stahl, Automotive und Landwirtschaft). Serbien ist auch ein attraktiver Standort für US-amerikanische Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften, was wahrscheinlich auf die allgemein günstigen Kosten und die hohe Zahl von IKT-Experten im Land zurückzuführen ist.

Zur Ausweitung lokaler digitaler Strategien hat Serbien auch seine eigenen Datenzentren eingerichtet, die von großen Technologieunternehmen wie Salesforce, Microsoft, Oracle, IBM und Co. genutzt werden.

Das ITA zitiert den U.S. Startup Genome Report, der Serbien bei der Blockchain-Entwicklung in die Top 5 weltweit einordnet. Darüber hinaus wird die Gaming-Industrie in Serbien als ein schnell wachsender Sektor genannt.

Weaknesses: Low digital adoption

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Die ITA gibt in ihrem Bericht an, dass Serbien geplant hat, bis Ende 2021 Internetverbindungen über 100Mbps zur Verfügung zu stellen. Trotz eines unglaublichen Anstiegs der durchschnittlichen Verbindungsgeschwindigkeit liegt die durchschnittliche mobile Internetverbindung im Jahr 2022 jedoch "nur" bei 41 Mbps und die feste Internetverbindung bei 49 Mbps. Beide Werte sind seit 2021 um 10-20 % gestiegen (Quelle: datareportal.com).

Lokale Unternehmen investieren zu wenig in die Digitalisierung

Dem Digital Futures Index zufolge liegt Serbien 18% unter dem Durchschnitt der anderen CEE-Länder, wenn es um digitale Geschäfte geht. Dies deckt sich mit ITA-Ergebnissen, die besagen, dass nur 40% aller serbischen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden Cloud-Technologien nutzen.


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Microsoft stellt darüber hinaus fest, dass serbische Unternehmen 13% weniger IKT-Talente einstellen als Unternehmen in anderen CEE-Ländern. Davon ausgehend, wie attraktiv diese Talente für internationale Unternehmen sind, kann man hier fast von einer Selbstsabotage reden, wenn die Anstellung und Ausbildung von Fachkräften nicht ausreichend priorisiert wird.

Gerade weil Serbiens globaler Einfluss durch seine IKT-Exporte wächst, müssen lokale Unternehmen in digitale Technologien und Fachkräfte investieren, um sowohl auf globalen und lokalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein. Vor allem der eCommerce muss wachsen, um an andere Länder anzuschließen.

Digitale Adoption ist nicht hoch genug in der Bevölkerung

Eine weitere Hürde scheint auch die digitale Akzeptanz serbischer Bürger:innen zu sein.

Serben nutzen sowohl Smartphones als auch das Internet in geringerem Maße als Bürger:innen in anderen CEE-Ländern, auch wenn Serbiens mobiles Internet deutlich schneller ist.

Hier könnten jedoch die jüngeren Generationen bald für eine Veränderung des Nutzungsverhaltens sorgen, nicht zuletzt durch die priorisierten IKT-Themen im Bildungssystem.

Die nächsten Schritte: Die lokale Wirtschaft muss stark wachsen

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Schaut man sich die Berichte und Zahlen an, so könnte man darauf schließen, dass globale Märkte bereits das digitale Potenzial Serbiens erkannt haben und darin investieren, während serbische Unternehmen und Bürger:innen noch nicht ganz überzeugt sind.

Die Regierung bietet genügend Anreize zur Förderung der digitalen Bildung, steuerliche Unterstützung und öffentliche Dienstleistungen, um ihre digitale Agenda zu stärken. Solange jedoch hauptsächlich internationale Unternehmen von diesen Vorteilen Gebrauch machen und qualifiziertes IKT-Personal nicht von lokalen Unternehmen gefördert wird, verpasst das Land die Chance, sich weltweit zu profilieren.

Serbien hat bereits bewiesen, dass es die IKT-Expert:innen, die Produkte und die Bereitschaft zum Wachstum und zur Weiterentwicklung besitzt - aber es braucht die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und Öffentlichkeit, um sich wirklich zu einem innovativen Wettbewerber zu entwickeln.


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von Juliane Waack

Juliane Waack ist Editor in Chief bei DIGITALL und schreibt über die digitale Transformation, Megatrends und warum eine gesunde Kultur die Basis für jedes erfolgreiche Unternehmen ist.

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