Spotlight USA: Ein starker digitaler Leader verliert an Vorsprung

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Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine digitale Macht, mit der man rechnen muss. Doch der Spitzenreiter in vielen digitalen Bereichen verliert mittlerweile viel Boden an Länder, deren digitale Bildungspolitik und Infrastruktur besser aufgestellt ist.

Inhalt:

  1. Die Stärken
  2. Die Schwächen
  3. Fazit

Hinweis: Da die USA ein wenig größer als die meisten anderen Länder unserer Spotlight-Serie ist und zugleich einen sehr heterogenen Markt hat, kann dieser Beitrag nur ein eher übergreifender Blick sein, der sich auf Statistiken, Studien, Rankings und Reports beruft. Tatsächlich war es gar nicht so einfach, für den gesamten US-Markt Zahlen zu finden, die zur traditionellen Spotlight-Struktur passen.

Die Stärken: Die USA sind ein starker digitaler Marktführer

Digitale Fähigkeiten sind sehr gefragt

Die Arbeitskräfte in den USA verbessern ihre digitalen Fähigkeiten aus der Notwendigkeit heraus. Laut Analysen von Brookings sind die Arbeitsplatzanforderungen für geringe digitale Fähigkeiten zwischen 2002 und 2016 von 56% auf 30% gesunken, während die Nachfrage nach mittleren digitalen Fähigkeiten von 40% auf 48% und nach hohen digitalen Fähigkeiten von 5% auf 23% gestiegen ist. Tatsächlich ist der Digitalisierungsgrad über verschiedene Berufe und Branchen hinweg um 57% gestiegen. Es ist unschwer daraus zu erkennen, dass der Arbeitsmarkt über alle Branchen hinweg digitaler geworden ist und entsprechend mindestens Grundkenntnisse verlangt.

Dem Digital Economy Report 2021 (PDF) zufolge, arbeiten fast 58% aller KI-Forscher:innen weltweit in den Vereinigten Staaten, während nur etwa 20% dort geboren wurden. Interessanterweise bevorzugen die meisten amerikanischen KI-Absolvent:innen eine akademische Laufbahn (ca. 40%), während ca. 25% in den privaten Sektor gehen. Internationale Postgraduierte gehen dagegen überwiegend in den privaten Sektor (ca. 52%).

Fast alle US-Bürger:innen nutzen das mobile Internet

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 (Quelle: via spglobal.com) ergab, dass dicht besiedelte Gebiete eine durchschnittliche Breitbanddurchdringung von 89% aufweisen, während in den Vorstädten immer noch 74% bis 81% erreicht werden.

Darüber hinaus stellt der Digital Economy Report fest, dass die USA und Kanada eine unglaublich hohe Durchdringungsrate für mobiles Breitband haben. Die Verbreitung von Smartphones ist mit fast 83% ähnlich hoch (die höchste Rate im Vergleich zu Europa, China, Lateinamerika usw.).

Die Wirtschaft investiert in den digitalen Wandel

Die US-Wirtschaft hat ihren digitalen Wandel im Rekordtempo vorangetrieben. Die meisten Fusionen und Übernahmen von (digitalen) Start-ups pro Großunternehmen wurden 2021 von US-amerikanischen Unternehmen getätigt, wobei Apple das Rennen anführte.

Die geografische Verteilung der Umsätze im Bereich des Internet der Dinge liegt Schätzungen zufolge hauptsächlich auf dem asiatisch-pazifischen Raum (35%), gefolgt von Nordamerika (31%) und Europa (22%).

Die USA haben außerdem bei weitem die höchsten privaten Investitionen in digitale Technologien getätigt (ca. 23 Mrd. US-Dollar). An zweiter Stelle steht China mit einer vergleichsweise sehr viel geringeren Summe von ca. 10 Mrd. US-Dollar.

Nach einer Studie des IAB wuchs die Internet Economy sieben Mal schneller als die gesamte US-Wirtschaft und macht inzwischen 12% des BIP (Bruttoinlandsprodukts) aus. Von 2016 bis 2021 wuchs sie insgesamt um 22%.

Der Cisco Digital Readiness Index 2019 platziert die USA im weltweiten Durchschnitt auf Platz 3. In den einzelnen Kategorien hebt sich die USA vor allem mit Platz 3 bei der digitalen Akzeptanz und Platz 4 beim Start-up-Umfeld hervor. Auch das IMD stuft die USA in seinem "World Digital Competitiveness Ranking" auf Platz 2 ein, wo das Land in den letzten Jahren die Rangliste angeführt hat.

Die Schwächen: Die USA verlieren im Vergleich zu anderen Ländern an Momentum

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Trotz des eigentlich sehr guten Rankings auf Platz 2 des "World Digital Competitiveness Ranking" sollte nicht unerwähnt bleiben, dass IMD berichtet, dass die USA in fast allen Bereichen gegenüber anderen Ländern nachgelassen hat, z. B. beim "Technology Faktor" oder dem Bereich "Future Readiness".

IKT-Ausbildung braucht einen Schub

Laut Coursera rangieren die USA auf Platz 29 von 100 Ländern, was die digitalen Fähigkeiten der Arbeitskräfte angeht, und das, obwohl die Nachfrage nach digitalen Fähigkeiten in so gut wie allen Berufen gestiegen ist (Quelle: via ITIF).

Die Information Technology & Innovation Foundation (ITIF) stellt fest, dass die USA sich in manchen Bereichen in den letzten 30 Jahren verschlechtert haben. So waren 1995 unter den IKT-Absolvent:innen im Durchschnitt viel mehr Frauen (37%) als heute (24%). Außerdem investiert die US-Regierung viel weniger in Ausbildungsprogramme für Arbeitskräfte als noch vor 30 Jahren. Laut dem "World Digital Competitiveness Ranking" liegen die USA bei der Ausbildung von Arbeitnehmer:innen insgesamt auf Platz 33. Bei der Anzahl von ICT-Hochschulabsolvent:innen belegt das Land sogar nur den Platz 50, was im Vergleich zum insgesamt zweiten Platz unglaublich niedrig erscheint.

Ländliche Infrastruktur wird zu einem Problem

Wie in vielen anderen Ländern auch, sind ländliche Gebiete zunehmend vom Internet und insbesondere schnellem Internet abgeschnitten. Die Breitbandverbreitung liegt bei nur 53%, was bedeutet, dass fast jeder zweite Haushalt in ländlichen Gebieten keinen ausreichenden Zugang zum Internet hat. Schätzungen aus dem Jahr 2021 zufolge sind ca. 20 Millionen US-Haushalte ohne Breitbandanschluss.

Nicht alle Branchen sind transformiert

Laut dem Digital Readiness Index von Cisco rangieren die USA nur auf Platz 16 bei der "Leichtigkeit der Geschäftstätigkeit", die die "grundlegende Infrastruktur und Politik zur Unterstützung der Geschäftskontinuität" beschreibt. Der Brookings-Bericht schätzt, dass Construction, Logistics, Manufacturing und Food Services digital nicht so weit entwickelt sind wie Finance Services & Insurances, IKT oder Healthcare. Da diese Werte jedoch aus 2016 stammen, sollten sie mit Vorsicht genossen werden, da gerade die Pandemie ein großer Beschleuniger in diversen Branchen war.

Fazit: Ein globaler Marktführer, der ein stärkeres Fundament braucht

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Wenn man sich all die verschiedenen Statistiken, Studien und Berichte anschaut, ist es offensichtlich, dass die USA zum Leader geboren sind. Doch die Heterogenität der Bundesstaaten und Märkte sowie die Größe des US-Marktes insgesamt könnte ich langfristig als Nachteil erweisen. So ist es für kleinere Länder mit einer zentraleren Regierungsweise sehr viel einfacher, staatliche Digitalpakete zur Unterstützung von Bildung, Start-up-Support und Infrastrukturstrategien zu entwickeln und bereitzustellen.

Während die USA bei großen IT-Unternehmen, Dienstleistungen und wissenschaftlichen Errungenschaften führend sind, sind sie bei den IKT-Arbeitskräften, der Ausbildung und der Infrastruktur - notwendige Grundlagen für einen dauerhaften Erfolg - sehr viel schwächer aufgestellt als andere Länder.

So kann man es sehr wohl kritisch sehen, dass so viele der ITK-Mitarbeitenden aus anderen Ländern kommen, da es zeigt, dass diese Länder viel mehr in die ITK-Ausbildung investieren und dadurch auch eine höhere Anzahl an Expert:innen vorweisen können.

Natürlich sind die USA aktuell noch ein attraktiver Arbeitsstandort, doch andere Länder und Unternehmen schlafen nicht, ganz im Gegenteil. Die Spotlight-Serie hat gezeigt, wie schnell Länder sich innerhalb weniger Jahre vom hinteren Rang zum Listensieger entwickeln können.

Da der Wettbewerb nicht nur um Kund:innen, sondern auch um qualifizierte Mitarbeitende immer globaler wird, müssen die USA an ihrer eigenen IKT-Ausbildung und -Infrastruktur arbeiten, um den internationalen Veränderungen standzuhalten.


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Juliane Waack ist Editor in Chief bei DIGITALL und schreibt über die digitale Transformation, Megatrends und warum eine gesunde Kultur die Basis für jedes erfolgreiche Unternehmen ist.

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